Lui Xiaobo festgenommen

Veröffentlicht auf von Roadrunner

Am gestrigen Gedenktag der Menschenrechte haben 303 chinesische Intellektuelle in einem "Charta 08" genannten Appell Demokratie und Freiheit für ihr Land gefordert. Das kommunistische Regime reagierte prompt und nahm einen Unterzeichner Lui Xiaobo  wegen "Subversion der Staatsgewalt" fest. Wie seine Frau berichtet, holten ihn in der Nacht zum Dienstag 10 Polizisten der Staatssicherheit ab. Die Veröffentlichung der "Charta 08", die vom Inhalt und Stil stark an die "Charta 77" aus der ehemaligen Tschechoslowakei erinnert, konnte aber auch diese Aktion nicht verhindern. Mit ihrer Unterschrift unter das Dokument bewiesen die Erstunterzeichner großen Mut, da sie ihre Namen und Wohnorte angaben. Unter ihnen befinden sich Ökonomen, Maler, Dichter, Anwälte und das ehemalige Mitglied des Politbüros Bao Tong.
Die Charta fordert unter anderem ein Mehrheitswahlsystem, Gewaltenteilung, Presse- und Versammlungsfreiheit, unabhängige Gerichte und eine neue Verfassung. Pikantes Detail der Charta ist die Forderung nach der Abschaffung des Paragraphen im Strafrecht, der von "Subversion gegen die Staatsgewalt" spricht.
Ob dieser Aufruf irgendetwas bewirken wird, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es in China sehr wohl eine Opposition gibt. Und ich weiß, dass sich Unrechtssysteme nicht ewig halten können. Sie können ihr Sterben nur verlangsamen. Irgendwann wird sich das Milliardenvolk im Reich der Mitte erheben. So wie es in der Geschichte immer wieder passiert ist.
Vor diesem Hintergrund erscheint es mir noch immer wie ein Schlag ins Gesicht der  olympischen Idee, dass dieser Staat das Fest der Völkerverständigung für seine Propaganda nutzen durfte. Pierre de Coubertin würde sich im Grabe umdrehen, wüsste er von der Entwicklung, die seine Idee mittlerweile eingenommen hat.

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Thomas von Katzberg 12/12/2008 18:57

Axel Oxenstierna, habe ich noch in Erinnerung

Roadrunner 12/13/2008 10:45


Danke für die Info!


Thomas von Katzberg 12/12/2008 14:50

An nescis, mi fili, quantilla prudentia mundus regatur?

Roadrunner 12/12/2008 18:13


Weißt du nicht, mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird? Leider habe ich vergessen, von wem die Redewendung war... Die Schule ist schon ein Weilchen her. Prinzipiel stimmt der
Ausspruch aber selbst fast 2000 Jahre nach dem rhömischen Reich noch. Und ändern wird sich das auch nicht.


vivi 12/11/2008 22:47

China hat das westliche Sysytem sehr gut studiert, verstanden, und es da bei den Eiern gepackt, wo es sehr empfänglich ist..... der Wirtschaft.

China ist das erste Land, dass es geschafft hat, sich hier derart zu etablieren und wirtschaftlich "unverzichtbar" zu machen, OHNE sich unseren minimalsten Grundsätzen und Überzeugungen in Bezug auf Menschenrechte auch nur annähren zu müssen, und das ist unsere Schuld!
Manchmal ist "wir lassen sie mitspielen, dann passen sie sich über kurz oder lang schon an" eben der grundverkehrte Weg!

Roadrunner 12/12/2008 09:53


Das mit den Eiern gefällt mir gut. Trifft es ziemlich genau. Nicht umsonst prophezeien führende Politikwissentschaftler, dass China die kommende Großmacht wird. Hoffentlich dann aber mit einer
anderen Regierung...


ewald 12/11/2008 20:01

Ein Zitat von Pierre de Coubertin lautet:
Das Wesentliche ist nicht, 'gesiegt', sondern sich wacker geschlagen zu haben.(Dies gilt wahrscheinlich für die Opposition)
ein weiters Zitat sagt:
Um einander zu achten, muss man sich zunächst kennen.
China ist ein großes unüberschaubares Volk. Viele Mentalitäten treffen aufeinander.
Ich brauch dir sicherlich nichts darüber erzählen! Ich verurteile die Regierung schon seit dem Debakel mit Nepal in den 60er Jahren. Ich weis nicht ob du schon meinen Beitrag " Ein Witz der kein Witz ist"
gelesen hast. Ein derber Witz, der jedoch viel über Menschenrechte und Politik-wie sie betrieben wird aussagt. ( Zu finden bei mir unter 'Wann lebt man'.
lg. Ewald

Roadrunner 12/11/2008 21:05


"Dabei sein ist alles!" Das gilt nicht mehr für die Opposition in China. In den letzten Wochen kam es immer wieder zu kleineren Protesten durch Arbeiter die ihren Lohn einforderten. Im übrigen
befand sich auch einmal die Polizei unter den Demonstrierenden. Das zeigt, dass das PB die Lage längst nicht mehr so unter Kontrolle hat, wie es gerne vorgibt. Die werden langsam nervös, deshalb
auch die überzogenen Verhaftungen. Gut, die gab es schon immer, aber bis jetzt hat man sich gerade bei Lui Xiaobo zurückgehalten. Der Mann wird in Europa und den USA sehr geschätzt und die Bonzen
wollten dem Westen bis jetzt nicht auf den Schlips treten. Dass man es jetzt doch wagt, ist für mich nur ein Zeichen des bevorstehenden Umbruchs. Ich gebe Hu Jintao maximal noch 10 Jahre, dann ist
auch der letzte große Kommunistische Staat von der Bildfläsche verschwunden. Eigentlich Schade! Aber wie sagt man so schön: "Der Kommunismus funktioniert, wenn der Mensch nicht wäre!"

MfG Roadrunner

PS den Artikel werde ich mir gleich mal zu Gemüte führen