Vermarkteter Freitod

Veröffentlicht auf von Roadrunner

In der Vergangenheit legte ich bereits einmal deutlich dar, dass ich ein Beführworter der aktiven Sterbehilfe bin. Doch dass der letzte Weg als Event im Fernsehen ausgeschlachtet wird, halte ich für verabscheuenswert. Ist der Voyeurismus denn schon so ausgeprägt, dass nicht mal mehr vor dem Tod zurückgeschreckt wird? Aber eins nach dem anderen! Der 59jährige ehemalige Universitätslehrer Craig Ewert litt an einer unheilbaren Nervenkrankheit, die ihn an den Rollstuhl fesselte. Deshalb entschied er sich, eine letzte Reise in die Schweiz zu machen und sich dort von der umstrittenen Dignitas Organisation beim Freitod assistieren zu lassen. Man filmte ihn dabei auf seinen ausdrücklichen Wunsch. Craig Ewert wollte so ein Zeichen setzten. Doch was die Fernsehmacher aus dieser Dokumentation machten, wird schon am Titel ersichtlich. "Selbstmord-Touristen" nannten eben jene Programmdirektoren Craig Ewerts letzten Weg. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ein solcher Titel jeglichen Respekt vor einem totkranken Menschen vermissen lässt, ist Ewert ein Stück weit auch selbst Schuld an der Ausschlachtung seines Todes. Auch wenn er sicher nie im Sinn hatte, die voyeuristischen Gelüste einiger Menschen zu befriedigen, so muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, mit seinem selbstgewählten Weg genau diese Menschen angesprochen zu haben. Was ursprünglich als Plädoyer für einen menschenwürdigen Tod gedacht war, geriet vielmehr zur Unterhaltung für die sensationsgeile Masse.
Man kann zur Steberhilfe stehen wie man will. Ich befürworte sie! Was ich jedoch für verwerflich halte, ist die kommerzielle Ausschlachtung des Sterbens. Ob es nun vom Patienten selber so gewollt war oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Wer sich vom Fernsehen instrumentalisieren lässt, kann sich hinterher auch nicht beschweren, dass das ,was rausgekommen ist einem nicht gefällt.

Veröffentlicht in Gesellschaft

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post

ReFi 12/11/2008 16:27

Wenn ein Mensch wirklich leidet und auch keine Hilfe mehr erwarten kann, dann bin ich auch für die Sterbehilfe, es gibt mehr als genug Menschen die jahrelang leiden müssen und darum bitten erlöst zu werden. Was die Fernsehmacher angeht, es geht doch nur um Quoten und es gibt scheinbar sehr viele Menschen die sich gerade an sowas ergötzen können, armes Deutschland..Lieber Gruß Regina

Roadrunner 12/11/2008 19:11


Ja so ist das. es zählt nur der Profit und nichts anderes...


Helene 12/11/2008 10:47

Wieder sind wir beim Thema Medien, mein Lieber. Die TV Sender werden NIE aufhören auszutesten, wie weit sie gehen können. Sie entledigen sich ihrer Verantwortung komplett.

Herzlichst
Helene

Roadrunner 12/11/2008 11:07


Leider muss ich dir recht geben. der einzige der etwas dagegen tun könnte sind die Zuschauer. aber die interessieren sich ja auch noch für so was...