Thursday 11 december
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08:46
In der Vergangenheit legte ich bereits einmal deutlich dar, dass ich ein Beführworter der
aktiven Sterbehilfe bin. Doch
dass der letzte Weg als Event im Fernsehen ausgeschlachtet wird, halte ich für verabscheuenswert. Ist der Voyeurismus denn schon so ausgeprägt, dass nicht mal mehr vor dem Tod zurückgeschreckt
wird? Aber eins nach dem anderen! Der 59jährige ehemalige Universitätslehrer Craig Ewert litt an einer unheilbaren Nervenkrankheit, die ihn an den Rollstuhl fesselte. Deshalb entschied er sich,
eine letzte Reise in die Schweiz zu machen und sich dort von der umstrittenen Dignitas Organisation beim Freitod assistieren zu lassen. Man filmte ihn dabei auf seinen ausdrücklichen Wunsch.
Craig Ewert wollte so ein Zeichen setzten. Doch was die Fernsehmacher aus dieser Dokumentation machten, wird schon am Titel ersichtlich. "Selbstmord-Touristen" nannten eben jene
Programmdirektoren Craig Ewerts letzten Weg. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ein solcher Titel jeglichen Respekt vor einem totkranken Menschen vermissen lässt, ist Ewert ein Stück weit
auch selbst Schuld an der Ausschlachtung seines Todes. Auch wenn er sicher nie im Sinn hatte, die voyeuristischen Gelüste einiger Menschen zu befriedigen, so muss er sich den Vorwurf gefallen
lassen, mit seinem selbstgewählten Weg genau diese Menschen angesprochen zu haben. Was ursprünglich als Plädoyer für einen menschenwürdigen Tod gedacht war, geriet vielmehr zur Unterhaltung für
die sensationsgeile Masse.
Man kann zur Steberhilfe stehen wie man will. Ich befürworte sie! Was ich jedoch für verwerflich halte, ist die kommerzielle Ausschlachtung des Sterbens. Ob es nun vom Patienten selber so gewollt
war oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Wer sich vom Fernsehen instrumentalisieren lässt, kann sich hinterher auch nicht beschweren, dass das ,was rausgekommen ist einem nicht gefällt.
von Roadrunner
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veröffentlicht in: Gesellschaft
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